Beachboys
Pearl S. Buck
Sein Gewissen war rein. Er benutzte es nie. |
Praktisch an jeden Strand Sri Lanka's, wo man Touristen trifft, gibt es auch die sogenannten "Beachboys". Sie wissen ja sicher selbst, dass es "Beachboys" auf der ganzen Welt gibt- sie heissen nur manchmal anders: in Italien Papagalli, in Wien Praterbuben, in Deutschland Bauernfänger usw. Sie heissen in Sri Lanka völlig zurecht "Beachboys", weil man sie ausschliesslich an der Beach antrifft. Wenn Sie persönlich sich auch nur 100 bis 200 m vom Strand weg ins Landesinnere begeben, wird Sie sicher kein Einheimischer ansprechen und nach Ihrem Namen fragen - so wie ja auch Sie zu Hause, wenn Sie einen Fremden sehen, nicht hinlaufen und ihn persönliche Fragen stellen würden. Die Beachboys sind ein "eigenes Volk" und haben weder vom Verhalten noch von den Einstellungen zu Fremden her auch nur die geringste Ähnlichkeit mit den "wirklichen" Bewohnern dieser Insel. Das Wort Beachboy wird in Sri Lanka auch nur im negativen Sinn wie ein Schimpfwort gebraucht.
Aber: Sie werden Ihnen durchaus freundlich begegnen und man meint auch, dass sie recht gut deutsch sprächen. Sie wollen gern Ihr persönlicher Reiseleiter sein und werden Ihnen z.B. Briefe zeigen, in denen sie als solcher positiv erwähnt wurden oder Ihnen einen Ausweis zeigen, der sie als geprüften "tourguide"ausweist. Oft sagen sie auch, dass eines ihrer Familienmitglieder in der Lotus-Villa beschäftigt ist oder dass sie sogar von einem der Manager "gesponsert" werden.
Sie bieten sich für alles an und sind sofort zur Stelle, wenn Sie irgend etwas vorhaben wie z.B. einen Einkaufsbummel zu machen oder einfach am Strand spazieren zu gehen. Natürlich sagen sie, dass sie Ihnen nur helfen und vor den anderen Beachboys beschützen möchten... sicher werden Sie in anderen Ländern bereits ähnliche Erfahrungen gemacht haben und wissen auch, wie die Sache endet: man wird unter irgendeinem Vorwand (z.B. Berufsausbildung oder die Mutter muss operiert werden) um Bargeld angepumpt oder zu einer Tour verleitet, die eher einer Werbefahrt gleicht. Bitte auch Vorsicht, wenn Sie in Gewürzgärten eingeladen werden, wo Sie kostenlose Kopfmassagen bekommen. Es endet oft mit einem Hautausschlag, der nur schwer wieder wegzubekommen ist! Es ist auch schon vorgekommen, dass Stücke von geschliffenen Sprite-Flaschen als grüne Edelsteine "verkauft" wurden.
Natürlich muss das nicht immer so sein und in wie weit sich jemand mit den Beachboys einlässt, bleibt auch jedem selbst überlassen. Wir raten Ihnen aber zu grösster Vorsicht, denn wir sehen uns oft ausserstande zu helfen, wenn z.B. "Geschäfte" rückgängig gemacht werden sollen.
Bitte beachten Sie auch, dass in Sri Lanka eher die "englischen Gesetze"herrschen, die dem Verkäufer praktisch alles erlauben und auschliesslich dem Käufer die Pflicht auferlegen, alles zu prüfen - die Gesetzeslage ist also ganz anders als in vielen westeuropäischen Ländern. Keine Polizei oder Botschaft hilft hier in Sri Lanka, wenn etwas schief gelaufen ist. (Das ist übrigens auch der Grund, warum besonders Ausländerinnen auf europäischen Märkten mit dem Berühren der Waren auf Märkten oft Probleme bekommen - sie sind es von zu Hause gewohnt, alles vor dem Kauf genau zu prüfen!).
Die Beach ist Staatseigentum, daher haben wir auch keine Handhabe, die Beachboys vertreiben zu lassen. Das Geschäft "Tourist" ist oft lukrativer als ein normaler Job.